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Nachrichten zu Therapien und Ergebnissen zum Thema Tinnitus

Medikamente und Tinnitus: Zusammenhang seltener als vermutet

Man hört es immer wieder – vor allem im Internet – und natürlich fragen sich die Betroffenen auch selbst: Verursachen bestimmte Medikamente Tinnitus?

Um die Antwort vorwegzunehmen: nur in den seltensten Fällen. Eine Untersuchung der Colchester Hospital University (UK) hat ergeben, dass die meisten heutzutage verordneten Medikamente nur bei sehr wenigen Menschen (1 von 1000 Patienten) zu einem Tinnitus führen – und auch das nur während der Einnahme. Sobald das Medikament abgesetzt wird, verschwindet normalerweise auch der Tinnitus. Dies gilt für die meisten Mittel gegen Bluthochdruck, Cholesterinsenker, Beruhigungsmittel und Antidepressiva. 

Aspirin: Tinnitus-Gefahr bei hohen Dosen

Von Aspirin wiederum ist bekannt, dass es in sehr hohen Dosen Tinnitus verursacht. Wird es gegen Kopfschmerzen oder Grippe eingenommen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dadurch ein Tinnitus entsteht. Auch die Dosierung zur Prävention von Herzinfarkt oder Schlaganfall ist unbedenklich. So haftet Aspirin der schlechte Ruf zwar noch an, die Zeiten der hohen Dosierungen – vor allem bei rheumatologische Erkrankungen – ist längst vorbei. Inzwischen gibt es modernere und wirksamere Alternativen in der Rheuma-Therapie. Falls jedoch ein Patient enorm empfindlich reagiert und einen Zusammenhang zwischen Aspirin und Tinnitus bei sich vermutet, sollte er seinen Arzt darauf ansprechen, um ein Alternativpräparat zu bekommen.

Und welche Mittel können einen Tinnitus verursachen?

Es gibt eine kleine Gruppe hochwirksamer Antibiotika, die das Innenohr schädigen können: Aminoglykosid-Antibiotika, zu denen Streptomycin und Gentamycin gehören. Sie werden in den entsprechenden Dosierungen aber nur im Krankenhaus per Infusion und nur bei lebensbedrohlichen Infektionen gegeben.

Die andere Hauptgruppe von Medikamenten, die eine Innenohrschädigung verursachen können, sind zytotoxische Medikamente zur Behandlung von Krebs, wobei es trotz der Wirkkraft dieser Stoffe erstaunlich selten zu Hörschäden kommt. Fachärzte, die diese Zytostatika zur Krebstherapie verschreiben, sind sich der möglichen Nebenwirkungen bewusst, sehen aber vor allem auch die Notwendigkeit der optimalen Behandlung. 

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

Auch wenn also die überwiegende Mehrzahl von Arzneimitteln bei den meisten Patienten keinen Tinnitus auslöst, so gibt es doch eine kleine Anzahl von Menschen, die unvorhersehbar empfindlich auf Medikamente reagieren. Wenn ein Patient vermutet, dass das bei ihm der Fall sein könnte, sollte er seinen Arzt darauf ansprechen. Im Normalfall genügt ein Wechsel des Präparats oder eine angepasste Dosierung. Andernfalls sollten die Hintergründe des Tinnitus‘ gut abgeklärt sein, um andere Ursachen auszuschließen und eine kurzfristige und optimale Behandlung sicherzustellen.